Google News setzt auf PR und Journalismus. Na und?

Google lässt in der Suchergebnisliste von Google News neben redaktionell bearbeiteten Nachrichten auch Mitteilungen von Unternehmen anzeigen. Dies ist schon seit September 2014 der …

Google lässt in der Suchergebnisliste von Google News neben redaktionell bearbeiteten Nachrichten auch Mitteilungen von Unternehmen anzeigen. Dies ist schon seit September 2014 der Fall, führte aber nach einem letzte Woche darauf hinweisenden Artikel der Presseagentur Reuters zu viel Kritik von Betroffenen, also Journalisten und Presseverlagen.

Es lassen sich aus den verschiedenen Meinungsbeiträgen drei wesentliche Kritikpunkte ableiten:

  • Google interessiert sich nicht für Journalismus.

  • Google spielt dem Nutzer PR für Journalismus vor.

  • Google entzieht Medien direkte Reichweite.

Dass sich Google nicht für Journalismus interessiert, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Dazu engagiert sich das Unternehmen zur sehr in Kooperation mit verschiedenen Medienangeboten. Aus Sicht von Google ist die Art des Contents aber auch zweitrangig, solange dieser das wichtigste Kriterium erfüllt: Relevanz. Eine Unternehmenssprecherin von Google erklärte dazu: „Das Ziel der Suche ist, möglichst treffende Antworten auf die Anfragen der User zu geben, und das in möglichst kurzer Zeit„. Googles gutes Recht und nachvollziehbares Eigeninteresse.

Unternehmen leisten sich inzwischen Media-Abteilungen, oft mit ehemaligen Journalisten, die besser ausgestattet sind als die meisten Redaktionen, mit denen sie in direkter Konkurrenz stehen. Das ist aber in erster Linie das Problem des Journalismus (mit Ausnahme der Öffentlich-rechtlichen Sender), nicht von Google. Eine dass eigene Nutzungserlebnis verzerrende Rücksicht darauf wäre nicht angebracht. Vor allem da Google an dieser Situation, anders als die Presseverlage, auch keine Schuld hat.

Spielt Google den Nutzern aber PR als Journalismus vor? Im Nachrichten-Feed von Google News zu erscheinen ist nicht das alleinige Kriterium, was Journalismus ist und was nicht. Und gute PR kann auch informativer als manche Nachrichten sein. Bei aller Kritik an der Medienkompetenz der Gesellschaft, dass etwas auf der Website eines Automobilherstellers nichts anderes als eine Meldung dieses Unternehmens darstellt, ist meiner Meinung nach klar erkennbar. Auch wenn die Meldung auf Google News erscheint.

Einzig korrekter Kritikpunkt ist, dass Google den Medien direkte Reichweite entzieht, wenn diese sich den Platz auf Google News jetzt auch noch mit Unternehmen teilen müssen. Eigentlich geht es den Medien aber um eine direkte Folge dieses Faktes: weniger Werbeeinnahmen. Denn weniger Reichweite bedeutet bei einer Branche, die immer noch keine ihr Geschäftsmodell finanzierende Lösung für das Internet gefunden haben, existenziellen Sorgen. Bannerwerbung mit Tausend-Kontakt-Preis lohnt sich dann nicht mehr.

Die Abhängigkeit von sozialen Medien oder zu dem hierzulande mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverlage bekämpfte Google News ist aber sowieso alles andere als gesund. Die neue Situation könnte die Medien dazu bringen, Inhalte technisch noch mehr für Suchmaschinen zu optimieren. Oder Medien setzen noch mehr darauf, als starke Marke wahrgenommen zu werden, zu der die Leser von selbst kommen. Im sehr kleinen Rahmen funktioniert das bei Netzpiloten.de, wo es keine Bannerwerbung gibt und Advertorials von der Reichweite unabhängige Festpreise haben.

Wie so immer ist das Problem also nicht einmal halb so groß, wie es gemacht wird. Vor allem wird es nicht als Anlass genommen, neue Innovationen zu entwickeln oder einfach mal etwas anders zu machen. Die meisten Redaktionen werden wahrscheinlich mit der Situation zurechtkommen, da SEO nun keine vollkommene Unbekannte mehr darstellt.

Teaserimage by Carlos Luna (CC BY 2.0)