Handy statt Forke: Die Digitalisierung der Landwirtschaft

Vergangene Woche interviewte ich die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann für das Watchblog Bundestag-Digital.de, das den Ausschuss "Digitale Agenda" begleitet. Im Gespräch über die verschiedenen Punkte …

Vergangene Woche interviewte ich die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann für das Watchblog Bundestag-Digital.de, das den Ausschuss „Digitale Agenda“ begleitet. Im Gespräch über die verschiedenen Punkte auf der Tagesordnung unterhielten wir uns auch über einen bisher nicht veröffentlichten Bericht der Bundesregierung über die Digitalisierung der Landwirtschaft. Dieser selten bei Digitalisierunsgdebatten beachtete Wirtschaftszweig hat sich bereits fast unbemerkt digitalisiert und das ohne die hierzulande typischen German Angst-Debatten. Christina Kampmann konnte dazu Informationen aus erster Hand liefern:

 

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Tobias Schwarz: Ich wäre gestern auch gerne in den Ausschuss gekommen, aber er tagte schon wieder nichtöffentlich. Mich hat nämlich vor allem der nächste Tagesordnungspunkt interessiert, und zwar der Bericht der Bundesregierung zur Digitalisierung der Landwirtschaft.

Christina Kampmann: Sie sprechen mein neues Lieblingsthema an. Das finde ich nämlich auch super spannend.

Tobias Schwarz: Was wurde da erzählt, denn ich habe zu diesem Thema noch keinen Zugang, fand aber interessant, dass die Bundesregierung sich damit schon auseinandergesetzt hat.

Christina Kampmann: Das ist eines meiner Lieblingsthemen, weil meine Eltern selbst einen Bio-Bauernhof haben. Ich habe mich gerade vergangenen Samstag (10.01.2015) in meinem Wahlkreis in Bielefeld mit Landwirten getroffen und mit ihnen über das Thema gesprochen. Deshalb fand ich es gut, dass das Thema in dieser Woche auf unserer Tagesordnung stand, denn man hat gesehen, dass die Landwirtschaft im Gegensatz zu vielen anderen Mittelstandsbetrieben und Unternehmen schon sehr viel weiter in der Digitalisierung fortgeschritten ist. Da passiert gerade unheimlich viel, die Landwirtschaft wird eigentlich gerade komplett revolutioniert.

Ich habe mich am Samstag mit einem jungen Landwirt unterhalten, der gerade den Hof von seinem Vater übernommen und alles modernisiert hat. Er sagte mir: „Christina, ich habe heute bis 9 Uhr im Bett gelegen, weil meine Melkroboter die Kühe gemolken haben.“ Wenn man wie ich selbst vom Bauernhof kommt, weiß man, dass es früher so war, dass 365 Tage im Jahr, sieben Tage die Woche, immer um 6 Uhr oder um 7 Uhr die Kühe gemolken werden mussten, da konnte man nicht mal eine Stunde länger schlafen.

Und das sieht man auch in ganz vielen anderen Bereichen. In meinem Betreuungswahlkreis ist ein großer Landmaschinenhersteller, der entwickelt selbstfahrende Mähdrescher, die zum Beispiel per GPS möglicherweise mal selbstfahrenden Traktoren sagen, wo sie sind, damit die dann kommen und das Korn auf den Anhänger laden können. Oder es gibt Drohnen, die zum Beispiel Felderabschnitte überwachen und registrieren, wie weit die Pflanzenentwicklung ist; oder Funkchips bei Kühen, die einem sagen, wann der optimale Zeitpunkt für die Besamung ist. Da gibt es schon sehr viel und da wird gerade ganz viel entwickelt.

Wir [als Abgeordnete] gucken natürlich, was wir politisch machen können, weil die Digitalisierung in der Landwirtschaft gerade ziemlich marktgetrieben ist. Ich glaube, da ist einer der wichtigsten Punkte der Breitbandausbau, den wir ja auch in der Digitalen Agenda haben – 50 MBit bis 2018.Viele sagen so ein bisschen abfällig, da soll auch der letzte Bauernhof erschlossen werden, aber schnelles Internet ist gerade für die Landwirtschaft ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor, weil schon einige Landwirte ihre Daten in der Cloud gespeichert haben. Und dafür ist eben ein schnelles Internet notwendig. Deshalb ist es an dem Punkt das Wichtigste, dass wir uns darum bemühen, dieses – wie viele junge SPD-Angeordnete es formuliert haben – Zwischenziel zu erreichen und von da ausweiterzumachen, was die Verbreitung des schnellen, flächendeckenden Internets in Deutschland angeht.

Tobias Schwarz: Wir haben gerade über die Digitalisierung eines Wirtschaftszweigs gesprochen, ohne Begriffe wie Disruption oder Kontrollverlust zu benutzen. Gibt es diesbezüglich auch etwas zu beachten in der Landwirtschaft?

Christina Kampmann: Darüber habe ich auch nachgedacht, vor allem warum es in der Landwirtschaft so schnell geht. Zum einem hat es damit zu tun, dass wir hier nicht – oder zumindest weniger – mit personenbezogenen Daten zu tun haben, denn es geht um die Daten von Kühen und anderen Tieren sowie von Pflanzen, deren Daten natürlich weniger sensibel sind. Trotzdem ist es vielen Landwirten wichtig, dass sie sicher sind, weil manche Dinge als Betriebsgeheimnis angesehen werden.

Ich habe aber auch mit einem Landwirt darüber gesprochen, was diese Entwicklung mit der Landwirtschaft macht und dass sie menschliche Arbeitskraft entbehrlich macht. Er stimmte mir zu und sagte auch, dass das eigentlich sehr gut sei, weil viele Landwirte Probleme haben, Arbeitskräfte zu finden. Deshalb kann man fast sagen, dass es die Digitalisierung für die Landwirtschaft ausschließlich positiv ist und das ist wahrscheinlich auch der Grund dafür, dass sie sich so schnell entwickelt. Dieser Landwirt sagte mir zum Beispiel auch, dass er das Handy mehr in der Hand habe als die Forke. Ich glaube, an dem Zitat kann man wirklich gut sehen, wie schnell sich das jetzt entwickelt hat und wie es vielleicht auch weitergehen wird.

Tobias Schwarz: Ein wirklich schönes Bild.

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Das komplette Interview befindet sich auf Bundestag-Digital.de oder als Audio-Beitrag auf dem Soundcloud-Profil der Netzpiloten.

Image by Sven Teschke (CC BY-SA 3.0)