Auch ich habe die Krautreporter unterstützt, aber…

Es kostet mich wirklich viel Überwindung letztendlich den Krautreportern doch ein Jahresabonnement für 60 Euro abzukaufen. Viel zu viel haben die Krautreporter in ihrer Crowdfunding-Kampagne falsch gemacht, was um so schwerer wiegt, als dass ein paar der besten Menschen, die was mit Medien machen, sich da engagieren und etwas ausprobieren wollen, was auf einem sehr interessanten Konzept beruht.

Warum ich diesen Krautreportern eigentlich kein Geld geben will:

Ihr arroganten Wixxer! Werbung macht den Journalismus kaputt? Die durch Werbung verdienten Gelder ermöglichen erst professionellen Journalismus. Als ich im März 2013 die Netzpiloten als Projektleiter übernommen habe, war das eine halbe Stelle und zwei freie Autoren schrieben für die Seite. Inzwischen arbeite ich Vollzeit, unterstützt von einem Kollegen in Hamburg, zwei PraktikantInnen und insgesamt 16 BloggerInnen und JournalistInnen schreiben für uns und alle bekommen Geld.

Versteht Ihr? Das alles wurde erst durch unsere Werbegelder ermöglicht, die keinerlei Einfluss auf die Arbeit unserer AutorInnen haben. Eure arroganten Aussagen haben mich persönlich getroffen, denn sie sprechen uns anderen, die für Vielfalt sorgen, jegliche Existenzberechtigung ab. Ich lese gerne Zeit Online und Sueddeutsche.de, aber auch die “Kleineren”, wie Golem, Netzwertig oder das eine oder andere Blog. Das sind alles tolle Medien, in denen vielleicht auch nicht immer alles perfekt ist, die aber tolle Arbeit machen. Und die sind alle schlecht, weil sie Geld mit Werbung verdienen? Wenn Ihr bisher in Redaktionen gearbeitet habt, wo die Marketing-Abteilung Einfluss auf eure Arbeit habt, steht es euch doch frei, da jederzeit aufzuhören. Unsere AutorInnen verdienen weniger als Ihr, aber sie werden dafür bezahlt das zu tun, was sie wollen und wie sie es wollen, ohne dass jemand darauf Einfluss hat.

Und was für Geschichten wollt Ihr denn bringen, die die anderen Medien nicht machen? Wir haben in Deutschland eine ausgezeichnete Medienlandschaft und tolle Medien, offline wie auch online, mit guten JournalistInnen und BloggerInnen. Ich habe nicht das Gefühl, dass etwas fehlt. Und wenn, dann ist es eher, dass Leute wie Ihr zu wenig Links zu euren “Quellen” setzt. Ihr ward das doch, die bisher und weiterhin bei den “Großen” euer Geld verdient habt, oder? Und die viel zu spät gemachten Vorschläge, worüber Ihr schreiben wollt, waren dann doch etwas langweilig. Die x-te Israel-Palästina-Story brauche ich eigentlich nicht. Soll es wirklich nichts Neues unter der Sonne geben?

Meine Mutter hat übrigens noch nichts von euch gehört. Und wie Ihr die immer gleichen Blasen angesprochen habt – Schnittmenge was mit Medien und was mit Internet – glaube ich sogar, eure eigenen Mütter haben noch nichts von euch gehört. Wieso sollt Ihr die Zukunft sein, wenn die einzigen, die sich für euch interessieren, eure eigene Community ist und keine “richtige” Leserschaft? An euch ist aber auch nichts interessant: ein paar weiße Männer und viel zu wenige weiße Frauen, die kaum was anderes als prekären Journalismus gemacht haben. Ich treffe interessantere Leute, wenn ich in der Kaufhalle an der Ecke Nudeln kaufen gehe.

Warum ich diesen Krautreportern nach langem Zweifel und mit Bauchschmerzen doch Geld gebe:

In Zeiten von Kuration und unbegrenzten Möglichkeiten, sich Inhalte zu suchen, selber zu ordnen und zu konsumieren, finde ich es spannend, dass Ihr das Prinzip Zeitung ins Netz bringen wollt. Ich soll für ein Magazin zahlen, das mit Lifestyle-Berichten aus dem Silicon Valley wirbt, wenn ich wahrscheinlich am Ende sowieso nur die Beiträge von Stefan Niggemeier und Tilo Jung gut finden werde. Versuchen wir es mal. Klappt das, werden wahrscheinlich sogar die noch existierenden Presseverlage Hoffnung haben, ohne zu dramatische Veränderungen im Digitalen zu überleben.

Es gibt bei euch Leute in der Geschäftsführung und der Autorenschaft, denen ich vertraue. Zeigt mir, dass Ihr eine Ernst zu nehmende Redaktion seid. Wenn in einem Jahr das Abonnement verlängert werden soll, will ich wissen, warum Krautreporter klappte oder warum nicht. Seid transparent und bereit zu Veränderungen. Wenn jemand schlecht ist, kündigt ihn und holt neue Leute dazu. Im Gegensatz zu Zeitungen helft Ihr nicht durch Ausbildung die Zukunft des Journalismus zu sichern. Ihr könntet aber durchaus Talenten, auch ohne journalistische Ausbildung, eine Plattform geben. Motivation schlägt stets Talent und BloggerInnen beweisen mir das jeden Tag neu.

Anstatt eurer seltsamen Veranstaltung am Dienstagabend hätte ich mich lieber einmal mit euch auf ein Bier getroffen, auf den Tisch gehauen, euch mal alles ins Gesicht gesagt, was bei euch und sowieso auch woanders alles falsch läuft, um dann am Ende nachzugeben und etwas überzeugter euch dann doch zu unterstützen. Jetzt werfe ich euch mit Bauchschmerzen 60 Euro zu. Macht das Beste daraus. Dafür werde ich mein Spiegel-Abonnement kündigen, das mich schon wieder nicht überzeugt hat. Es war ein Fehler dieses Magazin nach einer Pause noch einmal zu abonnieren. Den Fehler werde ich bei euch nicht machen, wenn in einem Jahr ein Fazit gezogen wird.

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