BR macht es (endlich) offiziell: CC-Musik in der Space Night

Nach drei Tagen bestätigt endlich der Bayerische Rundfunk (BR) offiziell, dass die Sendereihe Space Night mit unter Creative Commons-lizenzierter Musik fortgesetzt wird. Bereits Montag …

Nach drei Tagen bestätigt endlich der Bayerische Rundfunk (BR) offiziell, dass die Sendereihe Space Night mit unter Creative Commons-lizenzierter Musik fortgesetzt wird. Bereits Montag Nacht wird eine neu vertonte Folge gesendet, in der zum ersten Mal CC-Musik zum Einsatz kommt. Bis zur Produktion neuer Folgen mit CC-Musik im Herbst muss aber noch viel geklärt werden.

Die Pressestelle des BR bestätigt die Entscheidung

Bereits am Dienstag berichteten Christian Grasse, Marco Trovatello und ich, dass die Space Night mit CC-Musik weiter geführt wird. Unsere Beiträge fanden auf Grund der Meldung viel Verbreitung, doch ein offizielles Statement des BR blieb bisher aus. Nun endlich bestätigt die Presseabteilung des BR, dass in Zukunft CC-Musik in der Sendung Space Night verwendet wird. Montag Nacht wird die bekannte Folge „Earth View 2“ mit insgesamt 20 Liedern aus dem Creative-Commons-Bereich ausgestrahlt. Bis zur Produktion neuer Folgen müssen aber vor allem noch organisatorische und rechtliche Fragen geklärt werden, denn das progressive Vorhaben des BR stellt ein Novum im öffentlich-rechtlichen Rundfunk dar.

Die Folge mit altem Bildmaterial stellt erst einmal nur einen Versuch des BR dar, ob CC-Musik in der Space Night funktioniert. Im Laufe der Testphase soll die gleiche Folge auch noch einmal komplett mit klassischer Musik gesendet werden. Als finales Ergebnis des geplanten Relaunchs kann die Folge deshalb noch nicht gewertet werden. Das sie gesendet wird zeigt aber, dass der BR schon intern von der Nutzbarkeit von CC-Musik in der Sendung überzeugt ist und ein unwiderruflicher Beweis erbracht wird, dass freie Inhalte im öffentlich-rechtlichen Rundfunk möglich sind. Bis zum Herbst kann die Space Night dann komplett neu konzipiert werden.

Space Night & CC-Musik: So könnte es aussehen from Bleed Air on Vimeo.

Marco Trovatello zeigt in einem Video, „wie Weltraumbilder mit CC-Musik funktionieren – nämlich genauso gut wie mit GEMA-lizensierter Musik auch„. Ein schönes Beispiel dafür, dass CC-Musik der Musik bei der GEMA in Qualität nicht nachsteht. An ähnlichen Videos werden wir uns bald auch beim BR erfreuen könne.

Eine riesige Möglichkeit freie Inhalte zu fördern

John Weitzmann, der als  Legal Project Lead bei Creative Commons Deutschland tätig ist, mahnte bei aller Freude über die sehr wichtige Entscheidung für freie Inhalte in Deutschland an, dass noch viel zu tun ist. Rechtliche Regelungen wie die GEMA-Vermutung oder deren unklare Motivation gegen freie Lizenzmodelle, die zu einer Verstärkung der Entsolidarisierung führen könnten, sind Punkte, die der BR bei der Planung berücksichtigen muss. Weitzmanns Kritik zeigt Probleme auf, leider aber keine Lösung, die viele gerade von einem so engagierten Aktivisten für Creative Commons wie Weitzmann erwartet hätten.

Der Strategieberater für Independent Artists und Unternehmen der Musik- und Medienbranche Wolfgang Senges hingegen sieht in der Entscheidung des BR vor allem eine Möglichkeit für die Initiative  C3S (Cultural Commons Collecting Society), die eine neue europäische Verwertungsgesellschaft zu gründen plant, die Musiker_innen ermöglichen will, ihre unter Creative-Commons-Lizenzen veröffentlichten Werke jenseits der GEMA kommerziell verwerten zu lassen. C3S könnte zum Beispiel dem BR dabei helfen, einen Arbeitsablauf innerhalb der Sendeproduktion zu gestalten und vor allem die Sorge eines Preisfalls für Musik, die Weitzmann und andere Kritiker_innen von freien Lizenzen teilen, entgegen zu wirken. CC-Musik ist zwar frei wie in Freiheit, aber nicht zwangsläufig wie in Freibier. Das bestimmen die durch CC-Lizenzen in ihren eigenen Entscheidungen gestärkten Urheber_innen immer noch selber.

Eine weitreichende Entscheidung des BR

Der BR hat einen wichtigen Schritt in die Zukunft getan und mit freien Lizenzen einen Weg gewählt, der dem Gedanken von Teilhabe an kulturellen Werken voran hilft. Hervorzuheben ist auch, dass der BR die Ideen der „Space-Night-Fans im Netz“ gesammelt hat und nun verwendet. Bis zum Herbst, wenn neue Folgen der Sendereihe produziert werden sollen, gibt es viel zu tun, aber ein wichtiger erster Schritt ist getan und die sich für freie Inhalte bereits seit Jahren einsetzende Community wird dem BR gerne beiseitestehen und unterstützen. Mit der Folge am Montag wird ein Meilenstein gesetzt werden, der nicht mehr wegzureden ist.