Die Sendereihe “Space Night” des Bayerischen Rundfunks sollte auf Grund der GEMA-Tarifreform eingestellt und neukonzipiert werden. Viele Aktivist_innen für freie Lizenzen und Zuschauer_innen der Sendung nutzten die Gelegenheit, um den Bayerischen Rundfunk auf die Möglichkeit der Nutzung von unter Creative Commons-lizenzierter Musik aufmerksam zu machen – mit kleinem Erfolg. Der BR nimmt diese Möglichkeit mit in die Überlegungen für die Neugestaltung der Sendung mit auf.

Am Freitag Vormittag las ich auf Internet-Law, dass “die Sendereihe “Space Night” des Bayerischen Rundfunks, die für viele Nachschwärmer Kultstatus hat, (…) am 07.01.2013 zum letzten mal ausgestrahlt” wurde. Der Grund sollte laut Stadler die neue Gebührenreform der GEMA sein, die die Produktionskosten für die “Space Night” erheblich erhöht hätte. Ich habe die Sendung schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen, aber kann mich an viele lange Nächte vor Prüfungen, am frühen Morgen nach einer langweiligen Party oder wenn es einfach nicht mit dem Schlafen klappen wollte, erinnern, an der ich diese seltsame Sendung sah. Sie hatte was, auch ohne den klischeehaft gerne angeführten Drogenkonsum bei den Zuschauer_innen der “Space Night”. Sofort schrieb ich einen Tweet an die Pressestelle des Bayerischen Rundfunks (BR), in der ich fragte, warum denn die Sendung nicht einfach durch die Verwendung GEMA-freier Musik, z.B. unter Creative Commons-lizenzierter Musik gerettet wird anstatt sie gleich einzustellen. Die Pressestelle twitterte daraufhin, dass dies geprüft und sich wieder gemeldet werden würde.

Mit meiner Anfrage und Idee war ich zum Glück nicht alleine. Schnell zeigte sich die große Fangemeinde aktiver und ehemaliger Zuschauer_innen, die sich den Erhalt dieser besonderen Sendung des BR wünschten. Christian Grasse schrieb zum Beispiel auch gleich am Freitag einen offenen Brief an Werner Reuß, Redakteur von “Space Night”, in dem er vorschlug, dass der BR auf GEMA-Inhalte verzichten und stattdessen frei lizenzierte Musik verwenden könnte. Diese Alternative bezeichnete er treffend als “Win-Win-Situation für BR, Zuschauer und Künstler“. Am Abend gründete ich dann eine Facebook-Gruppe namens “Rettet die Space Night mit CC-Musik“, in der inzwischen 737 Menschen Mitglied sind (Stand: 21.01.2013, 13:11 Uhr). Ich bin kein Freund dieser Gruppen, aber schnell fanden sich viele Leute mit guten Ideen zusammen, die verschiedene Quellen für unter Creative Commons veröffentlichter Musik kannten. Ein erstes Ethersheed, in denen Tipps reingeschrieben werden konnten, verabschiedete sich unter dem wohl zu großen Ansturm an Besucher_innen, weshalb es inzwischen ein funktionierendes Wiki gibt, in denen Menschen ihre Quellen für CC-Musik reinschreiben, dass sich stündlich füllt.

Christian Nitsche (Bild: © Bayerischer Rundfunk)

Christian Nitsche        (Bild: © BR)

Heute Vormittag schrieb ich Christian Nitsche vom BR an und informierte ihn über die Facebook-Gruppe, das Engagement von verschiedensten Anhänger_innen der “Space Night” und Unterstützer_innen von unter Creative Commons veröffentlichte Musik sowie dem von Marco Trovatello geschaffenen Wiki (ein Interview mit Marco wird heute um 19:05 Uhr in der BR-Sendung Zündfunk zu hören sein), in dem Quellen für CC-Musik eingetragen werden können. Wenige Stunden später antwortete Nitsche bereits und zeigte sich erfreut, “dass so viele im Netz konkrete Musik-Ideen für die neue “Space Night” beisteuern.” Nitsche wies darauf hin, dass es sich wirklich nur um eine Umgestaltung der “Space Night” handelt und sie nur in ihrer bisherigen Form eingestellt ist. Er bestätigte den in der Pressemitteilung angegebenen Grund, das in Diskussion schon kritisch hinterfragt worden, dass die Unterbrechung der Ausstrahlung mit den laufenden Verhandlungen zur Neugestaltung der GEMA-Beiträge mit der ARD in Zusammenhang steht. Mit den neuen Tarifen hätte die ARD für die “Space Night” jährlich eine niedrige siebenstellige Summe nur für die Musikrechte bezahlen müssen. Der BR plant die Sendung “in bekannter Güte, aber zu erheblich niedrigeren Kosten für Musikrechte auszustrahlen“. Möglich wird das durch die Verwendung von Werken, an denen der BR eigene Musikrechte und Kompositionsmöglichkeiten besitzt. Nitsche versprach aber auch, dass im Rahmen der Neukonzeptionierung auch die Verwendung von Creative Commons-lizenzierter Musik geprüft wird. Desweiteren wird die “Space Night” durch weitere neue und kreative Gestaltungselemente bereichert werden. Wann die “Space Night” wieder zu sehen wird, teilte er nicht mit.

Die “Space Night” scheint gerettet zu sein, falls sie denn jemals wirklich von Absetzung bedroht war. Die Unklarheit und Angst vor der ersten “TV-Leiche der GEMA-Tarifreform” hatte aber zumindest den positiven Effekt, dass vermehrt auf die Nutzung von Werken unter freien Lizenzen hingewiesen wurde und der BR die Verwendung von CC-Musik prüfen lässt. Ich hoffe, dass dies auch zur Verwendung führen könnte, denn damit würde es neben dem NDR-Medienmagazin “ZAPP” und der ZDF-Sendung “Elektrischer Reporter” ein drittes Fernsehprogramm geben, dass Zuschauer_innen über die Möglichkeiten freier Lizenzen praktisch informiert.

ArtikelbildSpace (Bild: Sweetie187 [CC BY SA 2.0], via Flickr)

flattr this!

This article has 8 comments

  1. Pingback: Space Night geht weiter, nur anders « 11k2

  2. Pingback: Creative Commons Musik rettet Space Night

  3. Pingback: BR-Space Night geht weiter | stohl.de

  4. Pingback: BR prüft ergebnisoffen die Nutzung von CC-Musik | Logbuch des Isarmatrosen

  5. Pingback: Freie Bilder, aber keine freie Musik – der spacige Zick-Zack-Kurs des BR — Carta

  6. Pingback: Freie Bilder, aber keine freie Musik – der spacige Zick-Zack-Kurs des BR | Logbuch des Isarmatrosen

  7. Pingback: Endlich frei - Der BR setzt bei der Space Night auf CC-Musik | Logbuch des Isarmatrosen

  8. Pingback: Good bye Space Night – oder doch nicht? | Marco Trovatello

Leave a Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>